KUNSTSTOFFWELTEN – AUFBRUCH IN DIE PLASTIKZEIT

Während Uwe Seeler und Franz Beckenbauer bei Dauerregen noch damit kämpfen mussten, dass das „Leder“ sich mit Wasser voll saugte und immer schwerer wurde, brauchen sich Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger und Co. zumindest darüber keine Sorgen mehr zu machen, denn ihr Fußball besteht längst nicht mehr aus Leder, sondern aus geschäumtem Polyurethan. Es ist schwierig, sich die heutige Welt ohne Kunststoffe vorzustellen. Sie gehören wie selbstverständlich zu unserem Alltag. Die Mineralwasserflasche  besteht aus PET (Polyethylenterephthalat ), der Joghurtbecher aus Polystyrol, die Computertastatur aus ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol), die CD aus Polycarbonat.

Die Ausstellung im Historischen Museum Saar zeichnete mit vielen Alltagsgegenständen, aber auch mit seltenen Designobjekten die Geschichte der Kunststoffe nach. Dabei wurden nicht nur die besonderen Eigenschaften, die Vor- und Nachteile der einzelnen Werkstoffe deutlich. Es wurde auch aufgezeigt, wie sich unser Alltag durch die neuen Materialien verändert hat.

Fast alle Exponate stammten aus der einzigartigen Sammlung des Kunststoff-Museumsvereins Düsseldorf. Mit einer Spritzgussmaschine aus den 1960er Jahren wurde in der Ausstellung das bis heute wichtigste Verfahren zur Herstellung geformter Kunststoffteile vorgeführt.

Der eigentliche Siegeszug der Kunststoffe begann schon vor etwas mehr als 140 Jahren:

Als die Firma Phelan & Collender 1865 eine Prämie von 10.000 $ in Gold für die Erfindung eines Ersatzstoffes für Billardkugeln aus dem immer knapper und teurer werdenden Elfenbein aussetzte, beteiligte sich auch der Druckerlehrling John Wesley Hyatt. Zwar gewann er den Preis nicht, denn er bot seine Kugeln der Firma niemals an. Stattdessen erfand er das erste Thermoplast, den Kunststoff Celluloid und leitete damit das „Plastikzeitalter“ ein. Der neue Werkstoff ließ sich gießen, schneiden, biegen, stempeln, in Scheiben zertrennen und bot dem Auge eine fast perfekte Nachahmung von Elfenbein, Ebenholz, Horn, Schildpatt, Perlmutt oder Koralle. Ohne Hyatt`s Erfindung wäre später auch die Filmfabrik in Hollywood nicht entstanden.

In den folgenden Jahrzehnten wurden immer neue Kunststoffe erfunden: Leo Hendrick Baekeland entwickelte mit „Bakelit“ den ersten vollsynthetischen Kunststoff, der sich als Isoliermaterial in der Elektroindustrie eignete und die Massenproduktion von Radiogeräten ermöglichte.

Wallace Hume Carother`s Nylon (1935) löste einen regelrechten Boom aus. Als 1940 ein erstes Kontingent von Nylonstrümpfen in New York auf den Markt kam, wurden in wenigen Stunden 4 Millionen Paar verkauft.  Bis weit in die 1950er Jahre waren Strümpfe aus Nylon oder aus dem von Paul Schlack 1930 in Deutschland erfundenen Perlon gefragte Luxusgüter.

Karl Waldemar Zieglers Polyetylen kam in Form von Eimern, Schüsseln, Wannen und Tupperware in die Wohnungen und ermöglichte den Siegeszug des Hula-Hoop-Reifens.
Diese und viele andere Kunststoffprodukte und ihre Erfinder wurden in der Ausstellung vorgestellt.

Die eigentliche „Plastikzeit“ im engeren Sinne waren die 1950er und 1960er Jahre. Damals wurde Plastik mit Modernität und Zukunft assoziiert. Die Crew des legendären schnellen Raumkreuzers Orion versah ihren „Patrouillendienst am Rande der Unendlichkeit“ in einer Raumkapsel aus Kunststoff und auch die amerikanische Serie Star Trek wäre ohne Kunststoffkulissen nicht möglich gewesen. Andererseits beflügelte die Begeisterung für Science-Fiction aber auch die Phantasie der Designer. Durch Möbel aus Plastik wurden die Wohnungen bunter und die Formbarkeit des Materials machte Designikonen wie den berühmten Panton-Chair erst möglich.

Die „Euphorie“ endete mit der Ölkrise 1973. „Jute statt Plastik“ war nun ein weit verbreitetes Motto. Die nicht verrottenden Kunststoffe wurden generell als umweltschädlich abgelehnt.

Heute spielen Kunststoffe eine immer wichtigere Rolle, im Sport, in der Technik, in der modernen Medizin und als Dämmmaterialien für Niedrigenergiehäuser. Der Anteil der Kunststoffe im Automobil- und Flugzeugbau nimmt stetig zu. Das Material bietet mehr Sicherheit, ist leichter und trägt somit auch dazu bei, den Kraftstoffverbrauch zu reduzieren.

Dem Thema Kunststoffrecycling und Recyclingdesign ist in der Ausstellung ein eigener Bereich gewidmet. Im Rahmen des Begleitprogramms bietet das Museum neben Führungen auch Workshops an, bei denen Recyclingmaterial zu Schmuck oder Geldbörsen verarbeitet wird.

Bisherige Sonderausstellungen und Präsentationen

Geschlossene Gesellschaft

01.02.2022–29.05.2022

Im Jahr 2021 feierte die traditionsreiche Saarbrücker Casino-Gesellschaft ihren 225 Geburtstag. Mit einer Sonderpräsentation vom 01. Februar bis zum 29. Mai 2022 erinnerte das Historische Museum Saar an ihre wechselvolle Geschichte.

Monumente des Krieges

19.03.2021–31.10.2021

Die Ausstellung präsentierte erstmals seit 76 Jahren die Werke des Saarbrücker Rathauszyklus Anton von Werners. Sie setzte sich am Beispiel der Historienmalerei zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 kritisch mit der Inszenierung und Instrumentalisierung von Krieg und Nation auseinander. Dabei arbeiteten wir mit fast 20 deutschen und französischen Partnern und Leihgebern zusammen. Eine große Vielfalt an Quellen und Medien wurde dabei einbezogen, unter anderem Druckgrafiken, Depeschen und Zeitungsberichte, Memoiren, Feldpostbriefe und auch das moderne Massenmedium des Kriegspanoramas als Vorläufer des Kinos sowie die noch junge Fotografie.

20er Jahre

19.10.2019–15.11.2020

Die Zwanziger Jahre verbindet man mit Bubikopf, Charleston und Art déco. Mit dem Inkrafttreten des Versailler Vertrages im Januar 1920 schlug aber auch die Geburtsstunde des Saarlands.  Die Ausstellung „Die 20er Jahre“ beleuchtet die Anfangsjahre des Saarlandes und erweitert den Blick bis zum Anschluss des Saargebietes an das Deutsche Reich. Neben der gut erforschten politischen Geschichte rund um die Besatzungszeit, die französische Grubenverwaltung und den Abstimmungskampf widmet sich ein großer Teil der Ausstellung erstmals dem alltäglichen Leben im Saargebiet.

Popstars vor der Popkultur

31.08.2019–24.11.2019

Pop-Ikonen wie Madonna und Prince, Stars wie George Clooney und Angelina Jolie kennt heute jeder. Wird das in 100 Jahren auch noch so sein? Schnelllebigkeit und Vergänglichkeit sind Teil der Popkultur, ebenso wie die Unsterblichkeit, die einige durch sie erlangen.

Steinerne Macht

17.11.2018–23.06.2019

Die Kulturlandschaft in Lothringen, Luxemburg und im Saarland zeichnet sich durch einen reichhaltigen Bestand von mehr als 200 Burgen, Festungen und Schlössern aus. Das Historische Museum Saar fasst erstmals mit seiner neuen Sonderausstellung „Steinerne Macht“ die Forschungen zu diesen Anlagen in der Großregion SaarLorLux zusammen.

Saar-Wars

02.12.2017–15.04.2018

Nur wenige Tage vor dem Start des neuen Star-Wars-Films Episode 8 und 40 Jahre nach der Premiere des allerersten Star-Wars-Films in den USA eröffnete das Historische Museum Saar unter dem Titel „Saar-Wars“ eine kleine, aber faszinierende Sonderpräsentation, die sich an die legendäre Filmreihe anlehnt.

Im Plattenland

12.10.2017–22.10.2017

Das Historische Museum Saar kooperiert mit dem PopRat Saarland im Rahmen des „Colors of Pop-Festivals“. Es ist das erste Festival, das die gesamte Bandbreite der Popkultur mit allen ihren Genres. Zum Festival gestaltet der Künstler O. W. Himmel jetzt im Auftrag von PopRat und Historischem Museum Saar einen ganzen Raum im Museum mit seiner Kunst rund um das Thema Vinylkultur.

Prominente Menschen aus dem Saarland.

29.08.2017–13.05.2018

Insgesamt wurden vom Museumsteam 113 prominente Personen ausgewählt. In der Sonderausstellung stehen inklusive der Kunstfiguren Max Palu und Heinz Becker 30 Persönlichkeiten in Einzelpräsentationen im Mittelpunkt. Zu sehen sind 120, überwiegend noch nie gezeigte, private Objekte von 36 Leihgebern.

Unterwegs im Auftrag des Stern

01.09.2016–02.04.2017

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ Eine Binsenweisheit, deren Richtigkeit das Historische Museum Saar mit der Ausstellung „Unterwegs im Auftrag des Stern. Arbeiten des Fotojournalisten Hans-Jürgen Burkard“ unter Beweis stellt.

Saarland. Eine europäische Geschichte

07.10.2015–30.12.2015

Das Saarland ist das jüngste der alten Bundesländer. Es wurde geprägt durch seine außerordentlich bewegte Geschichte im Herzen Europas. Die Spuren seines europäischen Charakters lassen sich bis zu den staatlichen Anfängen des Landes vor knapp hundert Jahren zurückverfolgen.

Saargeschichte plakativ

17.05.2015–06.09.2015

Mit der Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Ende der 1950er Jahre sah sich das nunmehr jüngste Bundesland vor große Herausforderungen gestellt. Vor allem galt es, möglichst rasch Anschluss an das im „Wirtschaftswunderland“ herrschende Fortschrittsniveau zu finden. Gerade für die Saarwirtschaft war dieser Anpassungsprozess ausgesprochen kompliziert. Sie kämpfte gegen eine übermächtige Konkurrenz, deren „neue“ Produkte heiß begehrt waren.

Zwischen Kaiserwetter und Donnergrollen

23.11.2014–08.03.2015

Vor dem Ersten Weltkrieg, im wilhelminischen Kaiserreich, war das Leben der Menschen geprägt durch das extreme Spannungsverhältnis zwischen rasanten technischen und wissenschaftlichen Veränderungen auf der einen und einer extrem konservativen Gesellschaftsordnung auf der anderen Seite.

Für zusätzlichen Zündstoff sorgten politische Krisen z. B. auf dem Balkan und in Russland, Konflikte in den Kolonien und Probleme innerhalb der Gesellschaft wie der ausgeprägte Militarismus, Zensur und Bevormundung oder die ungelöste soziale Frage.

Arbeit zeigen

27.04.2014–21.09.2014

Bergleute, Hüttenmänner, Schmiede, aber auch Bauern, Bauarbeiter und Fischer bevölkern das Historische Museum Saar. Als Plastiken oder Skulpturen sind sie vielfältige Beispiele künstlerischer Darstellungen von Arbeit.

Aufgehobene Zeit

15.09.2013–23.02.2014

Archive sind die Black Boxes der Informationsgesellschaft. Fast jeder weiß, dass dort wichtige Fakten über die Vergangenheit gespeichert werden, fast niemand weiß, wie es darin aussieht. Und kaum jemand ahnt, wie groß die Bedeutung von Archiven für das kulturelle Gedächtnis einer Gesellschaft wirklich ist.

Komisches Volk! Drôle de peuple!

18.11.2012–07.07.2013

Unter dem Titel „Komisches Volk! - Drôle de peuple!“ zeigt das Historische Museum Saar eine hochkarätige Ausstellung mit Arbeiten des französischen Starkarikaturisten PLANTU, die einerseits Deutschland aus französischer Sicht kritisch unter die Lupe nehmen, andererseits aber auch die deutsch-französischen Beziehungen während der letzten Jahrzehnte spiegeln.

90 Minuten

06.05.2012–30.09.2012

Der Saarbrücker Ferdi Hartung (geb. 1931) ist einer der ganz Großen der deutschen Sportfotografie. Über viele Jahrzehnte hielt er mit seiner Kamera die entscheidenden Momente des Sportgeschehens fest. Besonders seine Aufnahmen aus der Anfangszeit der Fußball-Bundesliga sind legendär.

Saar Rock History

17.05.2011–30.12.2011

Die Sonderausstellung zeichnet mit einem breiten Spektrum an Exponaten  die Geschichte der Rockmusik im Saarland von den Anfängen bis in die Gegenwart nach. Seit den frühen 1960er Jahren prägte die im anglo-amerikanischen Raum entstandene, sich rasch weltweit bis in die letzten Winkel der Provinz ausbreitende Rockmusik zunehmend das Lebensgefühl der Jugend. Es entwickelten sich von ortsansässigen Bands getragene, regionale Rockszenen, die, wie im Saarland, durchaus quirlig und  facettenreich sein konnten.

Silhouettenwechsel

21.11.2010–13.03.2011

Im Historischen Museum Saar kann man eine faszinierende Reise durch die Geschichte der Mode antreten und diese in all Ihrer Vielfalt und Sinnlichkeit erleben. Die präsentierten Schätze, originale Damenkleider, Mieder, Dessous, stammen aus dem einzigartigen Bestand des Münchner Modemuseums, das über eine der bedeutendsten Sammlungen Europas verfügt.

Kleine Saarländer – Kinderfotos aus 100 Jahren

11.05.2010–17.10.2010

Fast jeder hat sie zuhause, Alben mit eingeklebten oder eingesteckten Bildern oder den berühmten Schuhkarton, vollgestopft mit Fotos: Erinnerungen an die Kindheit, an Ferien oder besondere Festtage, Porträts von nahen oder entfernten Verwandten, manchmal auch Bilder aus dem Alltag und von der Arbeit.

Gottfried Böhm

07.03.2010–28.03.2010

Prof. Gottfried Böhm beging im Januar seinen 90. Geburtstag. Seit 20 Jahren ist das sanierte Schloss mit dem Mittelbau von Gottfried Böhm wieder die Stadtkrone Saarbrückens. Dies nimmt der Deutsche Werkbund Saar gemeinsam mit dem Regionalverband Saarbrücken und der Aufbaugesellschaft Saarbrücker Schloss zum Anlass, in Kooperation mit dem Deutschen Architekturmuseum Frankfurt und dem Historischen Museum Saar eine Ausstellung mit den saarländischen Bauten und Projekten Gottfried Böhms zu zeigen.

Kunststoff-Welten

20.09.2009–31.01.2010

Styropor, Bakelit, Nylon, Perlon Celluloid usw...

Seit mehr als 140 Jahren verändern künstlich hergestellte Werkstoffe die Welt und das Verhalten der Menschen. Im 20. Jahrhundert gelang ihr großer Durchbruch und es gibt kaum eine Lebenssituation, in der wir nicht von Gegenständen aus Kunststoff umgeben sind.

50 Jahre Saarländischer Rundfunk

12.11.2006–15.04.2007

Zum 50. Geburtstag des Saarländischen Rundfunks präsentiert das Historische  Museum Saar in Kooperation mit dem SR eine Sonderausstellung, die am Beispiel der Geschichte des Senders mit zahlreichen Film- und Tondokumenten und in szenischen Bildern aufzeigt, wie Radio und Fernsehen über die Jahrzehnte unseren Alltag verändert haben.