Geschlossene Gesellschaft –
Eine Präsentation anlässlich 225 Jahre Saarbrücker Casino-Gesellschaft

Im Jahr 2021 feierte die traditionsreiche Saarbrücker Casino-Gesellschaft ihren 225 Geburtstag. Mit einer Sonderpräsentation (01.02.2022 – 29.05.2022) erinnerte das Historische Museum Saar an ihre wechselvolle Geschichte.

Im Laufe des Monats Februar wurde die Restaurierungswerkstatt des Museums in die Ausstellungshalle verlegt, so dass man im Rahmen der Präsentation auch Anton von Werners Monumentalgemälde „Ankunft König Wilhelms“ besichtigen konnte. Das Gemälde zeigt den Empfang des preußischen Monarchen 1870 in Saarbrücken durch angesehene Saarbrücker Bürger, darunter auch Mitglieder der Casino-Gesellschaft wie Carl Schmidtborn, Friedrich Quien und Eduard Karcher. Texttafeln, ausgewählte Objekte, Zeichnungen und Fotos ergänzten die Präsentation.

Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts gewann das aufstrebende Bürgertum auch an der Saar an ökonomischer und gesellschaftlicher Bedeutung. Unter dem Einfluss der Aufklärung wurden die Privilegien der adligen Führungsschicht in Frage gestellt. Führende Kaufleute schlossen sich zu Gesellschaften zusammen. 1776 wurde die Saarbrücker Kranengesellschaft gegründet, um die Stadt als Umschlagplatz für Kolonialwaren zu etablieren. Seit den 1770er Jahren gab es daneben auch die „Saarbrücker Abendgesellschaft“, eine Art bürgerlicher Lese-und Debattierclub.

Als dann am 1. September 1796 Mitglieder der Kranen- und der ehemaligen Abendgesellschaft ein „Colleg“ als Ort geselligen Zusammenseins gründeten, war dies die eigentliche Geburtsstunde der Saarbrücker Casino-Gesellschaft, die sich erst am 5. Januar 1817 unter diesem Namen neu konstituierte, aber die Satzung des Collegs beibehielt. Daher gehört die Saarbrücker-Casino Gesellschaft heute zu den ältesten Casino-Gesellschaften Deutschlands.

Die Treffen der Mitglieder dienten vorrangig dem Austausch: Man las Zeitung, spielte Billard oder unterhielt sich. Gelegentlich wurden Bälle, Festessen oder Ausflüge veranstaltet. Auf diese Weise konnten auch die heiratsfähigen Kinder der Mitglieder zusammenkommen und in gesellschaftlich ebenbürtige Kreise einheiraten.

Zu den alteingesessenen Kaufleuten wie den Familien Karcher, Köhl, Korn, Röchling und Schmidtborn gesellten sich nach 1870 neben preußischen Beamten und Akademikern auch
Offiziere, da Saarbrücken 1820 Garnisonsstadt geworden war. Seit 1826 wurden „ständige“ und „unständige“ Mitglieder unterschieden, wobei erstere einen Wohnsitz in Saarbrücken
vorweisen mussten. Die alteingesessenen Saarbrücker wollten sich so von äußeren Einflüssen abgrenzen.

Mitte des 19. Jahrhunderts sollte die Casino-Gesellschaft einen Neubau erhalten. Dazu erwarb sie das Gelände in den „Herrengärten“ an der Saar. Ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben, den der Kölner Stadtbaumeister Julius Carl Raschdorff als einer von 23 Bewerbern gewann. Er gilt heute als einer der bedeutendsten Baumeister der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert und ist vor allem für den Bau des Berliner Doms bekannt. Ende 1866 erfolgte die Fertigstellung des Baus, heute Sitz des saarländischen Landtags. Im Mai 1954 wurde das aktuelle Gebäude der Casino-Gesellschaft in der Bismarckstraße eröffnet.

Mit einer Satzungsänderung 1968 konnten auch Frauen vollumfänglich Mitglied werden. Grete Brosius wurde erstes weibliches Mitglied. Einen monatlichen Stammtisch mit Damen führte man erst 1974 ein. Bis zum offiziellen Ende der reinen Männerstammtische dauerte es noch zehn Jahre.

Im Jahr 2019 fusionierten der 2001 gegründete Wirtschaftsclub Saar-Pfalz-Moselle e.V., und die Saarbrücker Casino-Gesellschaft zum „Wirtschaftsclub Saar-Pfalz-Moselle - Saarbrücker Casino Gesellschaft“.

Der Landtag des Saarlandes, ehemaliges Gebäude der Casino-Gesellschaft © Historisches Museum Saar, André Mailänder
Weinkeller im ehemaligen Casinogebäude, Anfang 20. Jahrhundert © Lothar Arnold, Fotograf unbekannt



3D-Modell zur Ausstellung
"Geschlossene Gesellschaft - Eine Präsentation anlässlich 225 Jahre Saarbrücker Casino-Gesellschaft" vom 01.02.2022 bis 29.05.2022

 

 

 

Bisherige Sonderausstellungen und Präsentationen

Geschlossene Gesellschaft

01.02.2022–29.05.2022

Im Jahr 2021 feierte die traditionsreiche Saarbrücker Casino-Gesellschaft ihren 225 Geburtstag. Mit einer Sonderpräsentation vom 01. Februar bis zum 29. Mai 2022 erinnerte das Historische Museum Saar an ihre wechselvolle Geschichte.

Monumente des Krieges

19.03.2021–31.10.2021

Die Ausstellung präsentierte erstmals seit 76 Jahren die Werke des Saarbrücker Rathauszyklus Anton von Werners. Sie setzte sich am Beispiel der Historienmalerei zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 kritisch mit der Inszenierung und Instrumentalisierung von Krieg und Nation auseinander. Dabei arbeiteten wir mit fast 20 deutschen und französischen Partnern und Leihgebern zusammen. Eine große Vielfalt an Quellen und Medien wurde dabei einbezogen, unter anderem Druckgrafiken, Depeschen und Zeitungsberichte, Memoiren, Feldpostbriefe und auch das moderne Massenmedium des Kriegspanoramas als Vorläufer des Kinos sowie die noch junge Fotografie.

20er Jahre

19.10.2019–15.11.2020

Die Zwanziger Jahre verbindet man mit Bubikopf, Charleston und Art déco. Mit dem Inkrafttreten des Versailler Vertrages im Januar 1920 schlug aber auch die Geburtsstunde des Saarlands.  Die Ausstellung „Die 20er Jahre“ beleuchtet die Anfangsjahre des Saarlandes und erweitert den Blick bis zum Anschluss des Saargebietes an das Deutsche Reich. Neben der gut erforschten politischen Geschichte rund um die Besatzungszeit, die französische Grubenverwaltung und den Abstimmungskampf widmet sich ein großer Teil der Ausstellung erstmals dem alltäglichen Leben im Saargebiet.

Popstars vor der Popkultur

31.08.2019–24.11.2019

Pop-Ikonen wie Madonna und Prince, Stars wie George Clooney und Angelina Jolie kennt heute jeder. Wird das in 100 Jahren auch noch so sein? Schnelllebigkeit und Vergänglichkeit sind Teil der Popkultur, ebenso wie die Unsterblichkeit, die einige durch sie erlangen.

Steinerne Macht

17.11.2018–23.06.2019

Die Kulturlandschaft in Lothringen, Luxemburg und im Saarland zeichnet sich durch einen reichhaltigen Bestand von mehr als 200 Burgen, Festungen und Schlössern aus. Das Historische Museum Saar fasst erstmals mit seiner neuen Sonderausstellung „Steinerne Macht“ die Forschungen zu diesen Anlagen in der Großregion SaarLorLux zusammen.

Saar-Wars

02.12.2017–15.04.2018

Nur wenige Tage vor dem Start des neuen Star-Wars-Films Episode 8 und 40 Jahre nach der Premiere des allerersten Star-Wars-Films in den USA eröffnete das Historische Museum Saar unter dem Titel „Saar-Wars“ eine kleine, aber faszinierende Sonderpräsentation, die sich an die legendäre Filmreihe anlehnt.

Im Plattenland

12.10.2017–22.10.2017

Das Historische Museum Saar kooperiert mit dem PopRat Saarland im Rahmen des „Colors of Pop-Festivals“. Es ist das erste Festival, das die gesamte Bandbreite der Popkultur mit allen ihren Genres. Zum Festival gestaltet der Künstler O. W. Himmel jetzt im Auftrag von PopRat und Historischem Museum Saar einen ganzen Raum im Museum mit seiner Kunst rund um das Thema Vinylkultur.

Prominente Menschen aus dem Saarland.

29.08.2017–13.05.2018

Insgesamt wurden vom Museumsteam 113 prominente Personen ausgewählt. In der Sonderausstellung stehen inklusive der Kunstfiguren Max Palu und Heinz Becker 30 Persönlichkeiten in Einzelpräsentationen im Mittelpunkt. Zu sehen sind 120, überwiegend noch nie gezeigte, private Objekte von 36 Leihgebern.

Unterwegs im Auftrag des Stern

01.09.2016–02.04.2017

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ Eine Binsenweisheit, deren Richtigkeit das Historische Museum Saar mit der Ausstellung „Unterwegs im Auftrag des Stern. Arbeiten des Fotojournalisten Hans-Jürgen Burkard“ unter Beweis stellt.

Saarland. Eine europäische Geschichte

07.10.2015–30.12.2015

Das Saarland ist das jüngste der alten Bundesländer. Es wurde geprägt durch seine außerordentlich bewegte Geschichte im Herzen Europas. Die Spuren seines europäischen Charakters lassen sich bis zu den staatlichen Anfängen des Landes vor knapp hundert Jahren zurückverfolgen.

Saargeschichte plakativ

17.05.2015–06.09.2015

Mit der Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Ende der 1950er Jahre sah sich das nunmehr jüngste Bundesland vor große Herausforderungen gestellt. Vor allem galt es, möglichst rasch Anschluss an das im „Wirtschaftswunderland“ herrschende Fortschrittsniveau zu finden. Gerade für die Saarwirtschaft war dieser Anpassungsprozess ausgesprochen kompliziert. Sie kämpfte gegen eine übermächtige Konkurrenz, deren „neue“ Produkte heiß begehrt waren.

Zwischen Kaiserwetter und Donnergrollen

23.11.2014–08.03.2015

Vor dem Ersten Weltkrieg, im wilhelminischen Kaiserreich, war das Leben der Menschen geprägt durch das extreme Spannungsverhältnis zwischen rasanten technischen und wissenschaftlichen Veränderungen auf der einen und einer extrem konservativen Gesellschaftsordnung auf der anderen Seite.

Für zusätzlichen Zündstoff sorgten politische Krisen z. B. auf dem Balkan und in Russland, Konflikte in den Kolonien und Probleme innerhalb der Gesellschaft wie der ausgeprägte Militarismus, Zensur und Bevormundung oder die ungelöste soziale Frage.

Arbeit zeigen

27.04.2014–21.09.2014

Bergleute, Hüttenmänner, Schmiede, aber auch Bauern, Bauarbeiter und Fischer bevölkern das Historische Museum Saar. Als Plastiken oder Skulpturen sind sie vielfältige Beispiele künstlerischer Darstellungen von Arbeit.

Aufgehobene Zeit

15.09.2013–23.02.2014

Archive sind die Black Boxes der Informationsgesellschaft. Fast jeder weiß, dass dort wichtige Fakten über die Vergangenheit gespeichert werden, fast niemand weiß, wie es darin aussieht. Und kaum jemand ahnt, wie groß die Bedeutung von Archiven für das kulturelle Gedächtnis einer Gesellschaft wirklich ist.

Komisches Volk! Drôle de peuple!

18.11.2012–07.07.2013

Unter dem Titel „Komisches Volk! - Drôle de peuple!“ zeigt das Historische Museum Saar eine hochkarätige Ausstellung mit Arbeiten des französischen Starkarikaturisten PLANTU, die einerseits Deutschland aus französischer Sicht kritisch unter die Lupe nehmen, andererseits aber auch die deutsch-französischen Beziehungen während der letzten Jahrzehnte spiegeln.

90 Minuten

06.05.2012–30.09.2012

Der Saarbrücker Ferdi Hartung (geb. 1931) ist einer der ganz Großen der deutschen Sportfotografie. Über viele Jahrzehnte hielt er mit seiner Kamera die entscheidenden Momente des Sportgeschehens fest. Besonders seine Aufnahmen aus der Anfangszeit der Fußball-Bundesliga sind legendär.

Saar Rock History

17.05.2011–30.12.2011

Die Sonderausstellung zeichnet mit einem breiten Spektrum an Exponaten  die Geschichte der Rockmusik im Saarland von den Anfängen bis in die Gegenwart nach. Seit den frühen 1960er Jahren prägte die im anglo-amerikanischen Raum entstandene, sich rasch weltweit bis in die letzten Winkel der Provinz ausbreitende Rockmusik zunehmend das Lebensgefühl der Jugend. Es entwickelten sich von ortsansässigen Bands getragene, regionale Rockszenen, die, wie im Saarland, durchaus quirlig und  facettenreich sein konnten.

Silhouettenwechsel

21.11.2010–13.03.2011

Im Historischen Museum Saar kann man eine faszinierende Reise durch die Geschichte der Mode antreten und diese in all Ihrer Vielfalt und Sinnlichkeit erleben. Die präsentierten Schätze, originale Damenkleider, Mieder, Dessous, stammen aus dem einzigartigen Bestand des Münchner Modemuseums, das über eine der bedeutendsten Sammlungen Europas verfügt.

Kleine Saarländer – Kinderfotos aus 100 Jahren

11.05.2010–17.10.2010

Fast jeder hat sie zuhause, Alben mit eingeklebten oder eingesteckten Bildern oder den berühmten Schuhkarton, vollgestopft mit Fotos: Erinnerungen an die Kindheit, an Ferien oder besondere Festtage, Porträts von nahen oder entfernten Verwandten, manchmal auch Bilder aus dem Alltag und von der Arbeit.

Gottfried Böhm

07.03.2010–28.03.2010

Prof. Gottfried Böhm beging im Januar seinen 90. Geburtstag. Seit 20 Jahren ist das sanierte Schloss mit dem Mittelbau von Gottfried Böhm wieder die Stadtkrone Saarbrückens. Dies nimmt der Deutsche Werkbund Saar gemeinsam mit dem Regionalverband Saarbrücken und der Aufbaugesellschaft Saarbrücker Schloss zum Anlass, in Kooperation mit dem Deutschen Architekturmuseum Frankfurt und dem Historischen Museum Saar eine Ausstellung mit den saarländischen Bauten und Projekten Gottfried Böhms zu zeigen.

Kunststoff-Welten

20.09.2009–31.01.2010

Styropor, Bakelit, Nylon, Perlon Celluloid usw...

Seit mehr als 140 Jahren verändern künstlich hergestellte Werkstoffe die Welt und das Verhalten der Menschen. Im 20. Jahrhundert gelang ihr großer Durchbruch und es gibt kaum eine Lebenssituation, in der wir nicht von Gegenständen aus Kunststoff umgeben sind.

50 Jahre Saarländischer Rundfunk

12.11.2006–15.04.2007

Zum 50. Geburtstag des Saarländischen Rundfunks präsentiert das Historische  Museum Saar in Kooperation mit dem SR eine Sonderausstellung, die am Beispiel der Geschichte des Senders mit zahlreichen Film- und Tondokumenten und in szenischen Bildern aufzeigt, wie Radio und Fernsehen über die Jahrzehnte unseren Alltag verändert haben.