Zwischen Kaiserwetter und Donnergrollen

Vor dem Ersten Weltkrieg, im wilhelminischen Kaiserreich, war das Leben der Menschen geprägt durch das extreme Spannungsverhältnis zwischen rasanten technischen und wissenschaftlichen Veränderungen auf der einen und einer extrem konservativen Gesellschaftsordnung auf der anderen Seite.

Für zusätzlichen Zündstoff sorgten politische Krisen z. B. auf dem Balkan und in Russland, Konflikte in den Kolonien und Probleme innerhalb der Gesellschaft wie der ausgeprägte Militarismus, Zensur und Bevormundung oder die ungelöste soziale Frage.


Die seit 1896 in München bei Albert Langen erscheinende satirische Wochenschrift „Simplicissismus“ kommentierte das Zeitgeschehen und nahm mit Humor, zuweilen auch mit beißendem Spott Mißstände aufs Korn. Mit spitzer Feder zeichneten bekannte Literaten und Karikaturisten wie Thomas Theodor Heine, Eduard Thöny oder Olaf Gulbransson das eindrucksvolle Tableau einer im Umbruch befindlichen Welt.


Die Ausstellung „Zwischen Kaiserwetter und Donnergrollen. Die wilhelminische Epoche im Spiegel des Simplicissimus von 1896 bis 1914“ zeigt über 90 Originalentwürfe zu Karikaturen und Zeichnungen, die in diesen beiden Jahrzehnten in der wohl bekanntesten deutschen Satirezeitschrift erschienen sind. Dazu kommen Reproduktionen thematisch wichtiger Blätter.

Die Arbeiten präsentieren ein Kaleidoskop der Gesellschaft des Kaiserreichs vom Monarchen bis zum Proletarier, werfen einen Blick auf Skandale, verknöcherte Strukturen, aufregende Neuerungen und auf Entwicklungen im Inneren und Äußeren, die als bedrohlich empfunden wurden. Die Karikaturen sind somit eine wichtige Quelle für die Geschichte der wilhelminischen Epoche, die nicht nur im Blick auf das Agieren des impulsiven Souveräns zurecht auch als "nervöses Zeitalter" charakterisiert wurde.


Die Exponate stammen aus Privatbesitz, zum größten Teil aber aus der einzigartigen Sammlung des Museums Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover, das die Ausstellung ursprünglich kuratiert hat. Unterstützt wurde das Museum seinerzeit durch die Niedersächsische Sparkassenstiftung und die Sparkasse Hannover.


Im Historischen Museum Saar präsentiert sich die Ausstellung in neuem Gewande. Unterstützt wird sie von der Sparkasse Saarbrücken.